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Hilfe
An einem frühen Freitagabend, es muss gegen sieben Uhr gewesen sein, ging M. durch die Straßen
der Stadt. Er passierte die Altstadt, die alten Fachwerkhäuser, die Geschäfte. Er musste zum Bahnhof.
Den Weg kannte er gut, denn er ging ihn schließlich fast täglich.
Als M. schließlich den Bahnsteig beschritt und auf seinen Zug, der mehrere Minuten Verspätung zu
haben schien, wartete, vernahm er einen lauten, unüberhörbaren Schrei. Verstört blickte M. umher.
Er sah viele Menschen, die geschäftig den Bahnsteig passierten oder dort warteten, konnte aber
niemanden sehen, den er dem Schrei hätte zuordnen können. M. erhob sich von der Bank, auf der er
mittlerweile Platz genommen hatte, und suchte den Bahnsteig ab. In einer kleinen, dunkeln, oft
übersehenen Gasse, die direkt an den Bahnsteig angrenzte, vermutete er den Ursprung des
klagenden Schreis. Vorsichtig schritt er hin, um in die unbeleuchtete Gasse sehen zu können.
Geschockt wich er zurück. Er eilte wieder auf den nahen Bahnsteig, um Hilfe zu suchen. Einer nach
dem Anderen - ob Mann, ob Frau - beachtete sein Bitten nicht, hörte ihm oftmals gar nicht zu.
Verzweifelt sprach M. nun einen letzten Passanten an. Hoffnungsvoll bat er ihn: „Mein Herr, ich
brauche Ihre Hilfe. Drüben, in der kleinen Gasse, …“. „Und Sie erwarten nun, dass ich Ihnen helfe,
mein Herr?“, unterbrach ihn der Passant. - „Ja, denn alleine schaffe ich es nicht. Deshalb brauche ich
Ihre Hilfe.“ „Warum sollte ich Ihnen denn helfen? Haben Sie mir denn schon einmal geholfen?
Vergessen Sie es doch einfach!“, entgegnete der Passant mit finsterem Blick, während er M. den
Rücken zudrehte und langsam in der Menschenmenge verschwand.


Der Unfall
An einem sonnigen Sommermorgen ging M. durch die Straßen der Vorstadt. Er ging spazieren, wollte
sich von den Alltagssorgen erholen. Ihn beschlich ein schreckliches Gefühl, als er in einiger
Entfernung vor sich eine Menschenmenge entdeckte, die immer größer zu werden schien. Er ging
schneller und erreichte die Menge schließlich. Es war eng, er konnte nicht sehen, um was die vielen
Menschen im Kreis herum standen. Er hörte nur die klagenden Worte eines offenbar verletzten
Mannes, wie er leidend um Hilfe rief, um Hilfe für ihn, seine Frau und sein Kind. M. versuchte, sich
einen Weg durch die Menge zu bahnen, doch wurde er, wo er es auch versuchte, grob
zurückgestoßen. Schließlich rief er nach mehreren gescheiterten Versuchen, dem Mann zur Hilfe zu
kommen: „Helft dem armen Mann und seiner Familie! Lasst mich zu ihnen durch!“ – „Seien Sie leise,
wir hören das Kind nicht mehr schreien“, entgegnete ihm sein unmittelbarer Vordermann, er ihn nun
erneut rüde zur Seite stieß. „Aber warum helfen Sie dem armen Mann denn nicht?“, fragte M.,
während er sich wieder dem Mann näherte. „Warum sollte denn ausgerechnet ich ihm helfen? Sie
sehen hier doch noch genügend andere Leute, die ihm helfen könnten. Warum macht es denn nicht
einer von ihnen?“, antwortete der Mann gleichgültig. „Dann lassen Sie mich doch wenigstens zu ihm
hindurch, damit ich ihm helfen kann!“, schrie M., der nun nicht mit dem uneinsichtigen Mann
diskutieren wollte, und unternahm einen neuen Versuch, in die Mitte des Kreises durchzudringen.
„Nun reicht es aber, wenn Sie sich nun hindurch drängeln wollen, sehe ich doch weniger. Denken Sie
doch an meine Tochter, wie soll sie denn nach vorne sehen können, wenn große Männer wie Sie vor
ihr stehen?“, sagte der Mann, während er versuchte, M. von seinem Vorhaben abzuhalten. „Geben
Sie doch einfach auf!“, forderte ihn der Mann auf, und drehte ihm, nachdem er ihn erneut
zurückgestoßen hatte, kalt den Rücken zu und hob seine Tochter nun auf seine Schultern, während
die Hilferufe, die fortwährend aus der Mitte der Menge her ertönten, langsam verstummten, als M.
sich verstört entfernte.




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